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Liebe Freundinnen und Freunde des guten Wortes, liebe Lyrikfans,

die Lübecker Hotelbesitzerin Katrin Eckloff hat sehr schöne Worte zum gestrigen »großen Fang« gefunden: »Deine Gedichte sind so wunderbare Liebeserklärungen an die Zuversicht und die Schönheit der einfachen Dinge. Dein Newsletter lenkt meine Gedanken auf sehr angenehme Weise in die entgegengesetzten Richtungen meines Alltags. Große Freude!«

Der Kulturvermittler und Musiker Jörg-Rüdiger Geschke sah in dem Gedicht »die Gedanken- und Forschungswelt des von mir so geschätzten Soziologen Hartmut Rosa: Resonanzen in der Begegnung mit der Welt, situatives Wahrnehmen statt Verfahren und Konstellationen«. Eine schönere Lesart gibt es ja fast gar nicht – lieben Dank dafür!

Und der geschätzte Lyriker Andreas Noga hat sich durch die Zeilen des ersten Tages zu einem eigenen Gedicht inspirieren lassen. Es gefällt mir so gut, dass ich es einfach zitieren muss (natürlich mit Erlaubnis des Autors)!

WENN WIR LEBEN

Wenn wir leben,
springt im Sommer

ein Fisch 
aus dem Wasser

und wieder hinein.
Vielleicht 

nur aus Freude –
doch was

heißt im Sommer
schon

»nur«?

Apropos Leben: Heute möchte ich Sie auf ein Shakespeare-Stück im KulturSommer-Programm hinweisen, das das Junge Theater Marstall um 16 Uhr in Mölln veranstaltet. Lassen Sie sich überraschen!

Nun aber zunächst Vorhang auf für Tag 2! Diesmal ist es eine Sommergeschichte.

Viel Vergnügen!
Matthias Kröner

Strandschluss

Ich weiß es noch ganz genau.
Ich saß an einem Hotelstrand auf Kreta und sah in die Weite. Die meisten Strandbesucher hatten sich schon zurückgezogen und machten sich auf dem Hotelzimmer frisch. Bald wurde der Saal zum Buffet geöffnet, und die Sonne senkte sich langsam ins Wasser.
Ich war vielleicht zwölf, vielleicht dreizehn. Um mich herum packten die letzten zusammen, verließen ihre Liegen und kleinen Hütten, und ich saß da, sah aufs Meer und begriff plötzlich, wie einsam man sein kann, und wie erhaben.
Gab es da draußen noch irgendjemanden, der so fühlte wie ich? Der in diesem Moment ein Stück weit erwachsen wurde. Allein mit sich und der Welt. Der etwas begriff, was in Worte zu fassen schwer ist.
Es gab eine Traurigkeit und eine Klarheit. Ich war da, und ich lebte.
Die Volleyballer fischten einen verunglückten Ball aus einer verlassenen Sandburg. Ganz hinten am Horizont kreuzte ein letzter Segler, und im Wasser war niemand mehr. Kein Schwimmer, niemand in meinem Alter, nur andere Lebewesen, die solche Gedanken wahrscheinlich nicht hatten.
Ich schaute in die Unendlichkeit, und ich wusste, ich musste jetzt gehen, aufstehen, mich ebenfalls fertigmachen, mich abduschen, das Salz auf meiner Haut loswerden, mich in neue Klamotten schmeißen und danach runtergehen, mitessen, etwas trinken.
Ich grub meine Hände in den Sand und spürte, wie ich Teil dieses Kosmos war, als wie aus dem Nichts meine Mutter dastand. „Da bist du ja! Wir haben dich schon gesucht. Los komm, gleich gibt’s Einlass!“
Ich stand auf, und ich lief plötzlich anders. Meine Beine bewegten sich auf eine mir neue Art, die mich über die Steinplatten zum Hotel führte bis hinauf in mein Einzelzimmer, das mir kleiner vorkam und größer und wie verwandelt.
Als würde ich ab sofort alles anders sehen. Ich war kein Kind mehr, obwohl sich doch nichts verändert hatte an diesem heißen Sommerabend bei Strandschluss auf Kreta.

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Matthias Kröner - Grüner Weg 44 - 23909 Ratzeburg - Tel.: 0176/32331629