Sie können diese E-Mail nicht lesen? Webversion öffnen

Liebe Freundinnen und Freunde des guten Wortes, liebe Lyrikfans,

heute schrieb eine Leserin: »Ich genieße es, jeden Morgen von Ihnen beschenkt zu werden – herzlichen Dank dafür! Ich selbst verschicke schon seit etlichen Monaten täglich als Morgengruß ein Gedicht von mir. Nun komme auch ich täglich zu solcher Lesefreude.«

Annett Thies ergänzt: »Dieser Austausch und die Lyrische Post ist einfach grandios. Und einzigartig in der heutigen schweren und schwierigen Zeit, und das Gedicht von heute hat mich wieder voll mitgenommen. Die innerlichen Ritter, die ein Gewitter brauchen, toll!«

Ein ganz anderes Erlebnis hatte Traude Raithel: »Mit Freude lese ich begierig Ihre Geschichten. Wie häufig erwische ich mich in ähnlichen Erinnerungen, seien es Holz-, Harz-, Nadelboden-, Blumen-, Felderdüfte, und das alleine schon durch Ihre Beschreibungen. Nun muss ich Ihnen eine kleine Begebenheit erzählen: Am Montag bin ich mit meinem Bruder nach Kühlungsborn an die Ostsee gefahren. Nach Riesenrad-Fahrt und Bewunderung der See, der Häuser, der herrlichen Rosen, der üppigen Blütenpracht kamen wir an den Freiluft-Schachspielen vorbei. Da stand so ein kleines Persönchen, angezogen mit einer Pampers und einem Strohhut, mit ihrem Papa auf einem Schachfeld. Sie drückte ein schwarzes Pferd an sich, das fast so groß war wie sie, und trug es etwas weiter. Ich blieb stehen und fragte: ›Möchtest du schon Schach spielen?‹ Papa antwortete: ›Sie liebt Pferde.‹ Ich: ›Wie alt ist sie denn und wie heißt sie?‹ Papa: ›14 Monate und Ina.‹ Ich: ›Schau mal, Ina, da gibt es noch weiße Pferde.‹ Sie schaut mich an, wir sind einander zugetan. Sie geht auf das kleine Rasenstück neben dem Schachfeld, bückt sich, kommt zurück, geradewegs zu mir, streckt ihr rechtes Ärmchen hoch – und schenkt mir ein Gänseblümchen … Ich danke ihr, nehme das Blümchen und lege es in meine Handtasche. Papa merkt ein wenig, wie es mir geht und sagt: ›So ist sie immer …‹
Diesen Gänseblümchen-Moment werde ich, solange ich denken darf, in Erinnerung behalten. Und so wünsche ich allen Menschen ab und zu einen ›Gänseblümchen-Moment‹.«

Diesem überaus schönen Wunsch möchte ich mich anschließen und direkt auf eine dazu passende Ausstellung hinweisen: den Weg des Innehaltens in Geesthacht.

Viel Vergnügen!
Matthias Kröner

Die Pavillons

Vermutlich musste es diese Pavillons geben. Sonst hätten wir seltener frei bekommen.
Die Pavillons waren Pappkartons, die sich aufheizten und das Denken schwer machten. Nicht nur wir, auch unsere Lehrer schwitzten darin und warteten ebenso auf die knisternde Durchsage aus den Lautsprechern.
Wenn der Direktor anhob, wussten wir schon, wie es enden würde. In einem großen Gejubel. Die Lehrerinnen grinsten genauso breit. Wir packen zusammen, schwangen uns auf die Räder, fuhren schnell heim und danach ins Freibad.
In klimatisierten Klassenräumen, denke ich, hätte es all das nicht gegeben. Die Knisterdurchsage nicht. Nicht die Spannung und nicht die kaum auszuhaltende Hitze, die Erlösung nicht, die ein „Hitzefrei!“ des Direktors braucht.
Wer sich nur sorgt, weiß nicht um das Glück nach dem Leiden, das größer ist als die fortwährende Nulllinie, die sich einstellt, wenn alle Einstellungen ständig geschärft werden. Der kennt nicht die fettigen Pommes mit Ketchup und die Überwindung vom Fünfer zu springen, weil der genau richtige Tag dafür einer ist, an dem man aus der Schule verschwinden darf, um die Treppen des Sprungturms und den Beton zu meistern, an dessen Ende der freie Fall und der Tauchgang stehen – und danach die Wiese unter den Birken und der erste Anflug einer ganz leisen Sommerverliebtheit in ein Mädchen, das neuerdings mitkam, wenn wir an solchen Tagen die kleine Stadt eroberten.
Wenn ich heute daran vorbeifahre, denke ich mit Wehmut daran, wie sie abgerissen wurden mit schwerem Gerät, unsere heiligen und stets überhitzten Pavillons, die uns zuverlässig entließen – in die Wildnis.

P.S.: Schicken Sie diesen Newsletter jederzeit an gute Freundinnen und Freunde, die Lust auf Literatur haben. Wer die Newsletter bekommen möchte, braucht mir nur eine Mailadresse zu schicken oder kann sich direkt anmelden: www.fairgefischt.de/lyrische-post.html
 

 

Matthias Kröner - Grüner Weg 44 - 23909 Ratzeburg - Tel.: 0176/32331629