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Liebe Freundinnen und Freunde des guten Wortes, liebe Lyrikfans,

Elisabeth Tasler hat sich zum ersten Gedicht mit diesen sehr schönen Sätzen bei mir gemeldet: »Summertime and the living is easy – und dazu wird die Lyrische Post entscheidend beitragen. Ich freue mich sehr auf den großen Fang, der da im Lauf der nächsten 14 Tage zusammenkommen wird. Ich kann dann an jedem Urlaubstag mit meinem Mann die Beute, die so ohne Zutun geliefert wird, mit offenen Armen aufnehmen. Dann tauchen Einweckgläser mit Erinnerungen auf. Das Bild gefällt mir. Es erinnert mich daran, was unsere Kinder und Enkel schon gar nicht mehr recht wissen – dass man früher im Sommer die Früchte des Gartens eingeweckt hat, um sie im Winter wieder aufzuwecken. (Aber so sagte man gar nicht. Das Wortspiel kam mir nur gerade.) Auf jeden Fall waren beim Öffnen die Erntezeit, der Geschmack, der Geruch wieder da. Abgeschottete Ersatzwirklichkeit, gruselig die Einschränkung, die in den beiden Wörtern steckt. Möglich ist viel mehr. Oft lähmt, blockiert die Angst vor dem Unerwarteten. Dabei wissen wir auch aus Erfahrung, dass es beglücken kann, wenn wir uns zu leben trauen.«

Karin Minet teilt eine Erkenntnis zur gestrigen Miniatur mit uns: »Ihr heutiger Text ›Strandschluss‹ hat mich viele Jahrzehnte zurückversetzt. Es war zwar nicht am Meer, nicht auf Kreta, aber dieser eine Moment, in dem mir bewusst wurde, dass sich etwas geändert hat, dass ich mich geändert habe, war mir plötzlich ganz gegenwärtig. Danke für dieses Wieder-Erleben-Dürfen!«

Dieses Erlebnis ist es tatsächlich auch, was mich an Literatur ganz generell begeistert und das ich in dieser Tiefe nur in der Literatur erlebe. Man erlebt etwas erneut, was ein anderer so oder so ähnlich auch erlebt hat. Womit ich aber keine andere Kunstform abwerten möchte – jeder Ausdruck hat seine eigenen Auswirkungen auf uns und unser (Unter-)Bewusstsein.

Apropos Kunst: In Aumühle gibt es noch bis 20. Juli eine Ausstellung von Christian Kattenstroth zum »Land zwischen den Meeren« zu bestaunen. Eintritt frei!

Kommen wir zu Gedicht 3, das ebenfalls mit dem Land und der Gegend zu tun hat.

Viel Vergnügen!
Matthias Kröner

Gegend

Manchmal trifft mich überraschend hart
die Schönheit dieser Welt.
Sie wirkt dann so,
als wäre sie nicht auf sich selbst gestellt,
ein Zug auf einem Abstellgleis,
der hält.

Sie liegt so offen da,
zwei Bäume wehen,
als würden sie sich durch mein Augenpaar,
das schweift,
nur für Momente sehen.

Ein Ahnen bloß,
das sie von sich begreift.
Die Schönheit trifft mich wie ein Schuss,
der streift.

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Matthias Kröner - Grüner Weg 44 - 23909 Ratzeburg - Tel.: 0176/32331629