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Liebe Freundinnen und Freunde des guten Wortes, liebe Lyrikfans,

gestern habe ich tatsächlich Post aus Italien bekommen. Es ist erstaunlich, welche Wege die Lyrische Post geht und findet! »Ich lese immer sehr gerne Ihre Gedichte, alle sind schön, jedes auf seine Art. Aber das heutige Gedicht ist unglaublich schön, so stimmungsvoll! Mir ist beim Lesen so, als würde ich auf der Terrasse sitzen und genau das machen.« (Lucia Tettamanzi)

Ein anonymer Leser schrieb: »Dieses schöne Gedicht zelebriert die Kunst, über einen ›Aufreger‹ hinauszublicken, sich nicht darin zu verlieren, und ein Gefühl der Verbundenheit zuzulassen. Die Kultivierung dieser Fähigkeit würde den gegenwärtig teilweise überhitzten Debatten guttun.«

Auch zum vorherigen Buchen-Gedicht gibt es noch zwei Stimmen nachzutragen. »Heute erinnert mich ›Buchen‹ an meine Kinderzeit, in der ich unter so einem wunderbaren Blätterdach lag und mir vorstellte, wie unglaublich schön es sein müsste, da oben im Baum zu sitzen, ganz nah dem Blätterrauschen. In dieser Zeit war ich sehr ängstlich, wenn es um ›Höhe‹ ging. Ein Junge lachte mich deshalb immer wieder aus. Diese Provokation und die träumerische Vorstellung bewirkten, dass ich mich tatsächlich heimlich an niedrigen Ästen kletternd versuchte, das alles langsam steigerte und nach einiger Zeit sehr glücklich mit vogelfreiem Gefühl oben in den höchsten Ästen saß. 
Es war ein Schlüsselerlebnis, das zum Muster für andere Lebenssituationen wurde und mir große Freiheit schenkte.« (Ulrike Steigerwald)

»Wenn ich das Gedicht, besonders seinen Inhalt, auf mich wirken lasse und mir vorstelle, ich stünde in einem Buchenwald, kommt ein Gefühl auf: Ehrfurcht. Ein interessantes Wort. Wovor fürchte ich mich dabei? Vielleicht vor etwas, das größer, älter und mächtiger ist als ich?
Bei einem Buchenwald, wie das Gedicht ihn zeichnet, passt dieses Gefühl sehr gut. Man steht nicht einfach ›im Wald‹, sondern in einem Raum, der etwas Sakrales bekommt: Pfeiler, Schattendächer, Kathedralen, flüsternde Blätter. Da entsteht nicht unbedingt Angst vor Gefahr, sondern eher ein Erschauern vor Größe, Alter und Lebendigkeit.
Buchen waren schon Millionen Jahre vor uns Menschen auf der Erde. Vielleicht flüstern sie über die kleinen Wesen unter ihnen, die sich in ihrer Verblendung für die Herrscher über die Natur halten – statt sich als Teil von ihr zu begreifen.« (H. U. Gosmann)

Ich könnte noch viel mehr zitieren! Alle Ihre Nachrichten sind auf ihre ganz eigene Weise besonders, immer ehrlich und echt und verbinden sich mit dem jeweiligen Gedicht und der Geschichte, wodurch eine Gemeinschaft entsteht, die selten geworden ist (und in den Sozialen Medien gar nicht mehr möglich scheint). Ich habe das Gefühl, dass wir hier ein bisschen die Fahne des Zusammenhalts hochhalten – und das tut gut und ist richtig!

Natürlich gibt es auch heute wieder einen Kulturtipp von mir: Ich empfehle (wie sollte es in einem Literatur-Newsletter anders sein?) Der talentierte Mr. Ripley. Ein musikalischer Monolog nach Patricia Highsmith im Amtsrichterhaus Schwarzenbek.

Lassen Sie uns optimistisch bleiben, angesichts all des Wahns und des Sinns in der Welt und im Leben.
Wir reagieren darauf – mit Worten und dem klaren Gefühl, dass wir immer mehr Möglichkeiten haben, als es uns manchmal erscheint.

Dazu passt die vorerst letzte Sommergeschichte.

Haben Sie alle bitte einen genussreichen Sommer!
Matthias Kröner

P.S. Beim KulturSommer-Literaturwettbewerb ist eine erste Shortlist entstanden. Wer noch teilnehmen mag, hat bis zum 16. Juli, 12 Uhr, dazu Gelegenheit. Danach wird es eine endgültige Shortlist und drei prämierte Gedichte geben!

First Date

Diese Kneipe mit den vielen Sofas, die man sonst nur auf dem Sperrmüll findet, war der perfekte Treff für das erste Date.
Uns hatte es zufällig dorthin verschlagen. Wir betraten die Bar, und wir setzten uns, und wir sahen, dass wir dort nicht mehr hingehörten, was wir schade fanden; ich mehr als sie.
Wir wollten uns nicht verlassen, das ja gerade nicht. Dafür noch einmal so sein wie einst, als wir uns in dieser Kneipe das erste Mal trafen und küssten.
Man hörte es regelrecht knistern, während draußen die Sanitäter vorbeifuhren und Leute herumschrien, meist, weil sie gute Laune hatten. Mopeds tobten vorüber, selten Autos, denn auch in einer Stadt wie dieser war Sommer angesagt. Summernightcity.
Die zwei uns gegenüber fingen jetzt tatsächlich zu knutschen an. Meine Freundin flüsterte mir zu: „Hat die schöne Haare!“
„Du auch“, sagte ich und dann sagte sie: „Geh mal raus und komm wieder rein, und dann tun wir so, als würden wir uns das erste Mal sehen.“
Ich sah sie belustigt an, und dann tat ich genau das. Draußen standen ein paar Raucher. Ihre Kippen glühten wie betäubte Glühwürmchen durch die Nacht. Sogar der Himmel hatte diese tiefblaue Farbe, die es nur selten in großen Städten gibt, und ich trat wieder ein und schaute irritiert über das Meer der Sofas, die wie Kanus in dieser Kneipe trieben.
Da – entdeckte ich eine Frau, die ich spannend fand. Ich ging auf sie zu, etwas unsicher, und fragte sie, ob ich mich zu ihr setzen dürfe. Sie schaute ein bisschen skeptisch und nickte dann, und auf einmal knisterten wir genauso herum wie die anderen Männer und Frauen und die Männer und Männer und die Frauen und Frauen, und wir redeten und irgendwann küssten wir und küssten anders, als wir sonst küssten.
Wir haben das Gehirn auch, dachte ich, damit wir uns Tricks ausdenken können. Um gut zu lieben.

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Matthias Kröner - Grüner Weg 44 - 23909 Ratzeburg - Tel.: 0176/32331629